Gedenkgottesdienst zum Atombombenabwurf
auf Hiroshima am 6. August 1945,
25. August 2005 in St. Johann,
Religionskurs des EKG der Jgst. 12:

Pressebericht [impulse]:

"Von nun an steht die Welt im Schatten der ultimativen Waffe."

Gedenkgottesdienst zum Atombombenabwurf über Hiroshima.

Hiroshima. Wir alle verbinden mit diesem Namen Emotionen: Sei es Trauer, Fassungslosigkeit oder Erleichterung über das Ende des zweiten Weltkrieges, es gibt kaum ein Thema, das auch nach wie vor einen so aktuellen Bezug hat wie die Atombombenabwürfe über Japan am 6.8. 1945.

Deshalb fand am 28. August zum Anlass des 60. Jahrestages des Atombombenabwurfs über der japanischen Stadt Hiroshima in der Kirche St Johann ein Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer statt. Auf Einladung von Bürgermeister Dr. Austermann wurde dieser Gottesdienst gemeinsam von Pfarrer Gerhard Klassen und vom Religionskurs der letztjährigen 12. Jahrgansstufe des EKG gestaltet.

Die Schülerinnen und Schüler hatten es sich zur Aufgabe gemacht, an die schrecklichen Ereignisse dieses Tages zu erinnern, aber nicht zu werten, sondern nur zum Nachdenken anzuregen. Eröffnet wurde der Gottesdienst durch eine PowerPoint-Präsentation, in der Bilder, Fakten und Zitate zur Atombombe und zum Tag des Abwurfes gezeigt wurden. Die Bilder der Zerstörung riefen allgemeines Schweigen in der zumindest zur Hälfte gefüllten Kirche hervor.

Pfarrer Klassen rief in seiner Ansprache dazu auf, dass das Gedenken dabei helfen solle, sich in der Bemühung für Frieden in der Welt einzusetzen.

Highlight des Gottesdienstes war ein fiktives Zeitzeugengespräch, das die EKG-Schüler aufführten. Sie saßen dabei hinter einer Leinwand, sodass man nur ihre Schatten sehen konnte. Aus der Sicht eines amerikanischen Bomberpiloten und einer japanischen Frau wurden so die Ereignisse des Tages geschildert. Die Japanerin erzählte von der Zerstörung und dem Flammeninferno am Boden, das von der Bombe ausgelöst worden war. Der amerikanische Pilot hingegen berichtete, wie er durch seinen Einsatz sein Heimatland vor Schlimmerem bewahrt habe.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich verbinde mit Hiroshima das Gefühl von Ohnmacht. Wie konnte so etwas passieren? Wie konnten so viele Leben auf einmal ausgelöscht werden? Und was ist, wenn so etwas noch einmal passiert? Auch die EKG Schüler hatten eine Umfrage veranstaltet, deren Ergebnisse im Gottesdienst vorgestellt wurden. Aufgeteilt in gut, sehr gut und eher schlecht informiert präsentierten die Schüler Meinungen, die aus den Umfragen hervorgegangen waren. Allen gemeinsam war jedoch die Fassungslosigkeit über die damaligen Ereignisse.

Sogar der Bürgermeister Dr. Austermann, der sich für die Organisation des Gottesdienstes eingesetzt hatte, richtete einige Worte an die Besucher. So rief er unter anderem zur Bemühung um Frieden und zur Unterstützung von Abrüstungsprogrammen von Atomwaffen auf.

Pfarrer Klassen stellte in seiner Predigt eine Verbindung zwischen Klageliedern in der Bibel und den damaligen Ereignissen dar. Dabei tauchen zum Teil beängstigende Parallelen auf. Allerdings wird in den Klageliedern mit Schweigen auf die beschriebene Zerstörung geantwortet.

Aus heutiger Perspektive tauchen aber unwillkürlich Fragen auf, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Man solle sich diesen Fragen stellen und die zweite Chance nutzen, die Gott den Menschen trotz solcher Ereignisse gegeben habe, um sich dafür einzusetzen, Frieden auf der Welt zu erhalten, so der Pfarrer. Nur Verzicht auf Gewalt führe zu gutem Miteinander.

Der Besuch des Gottesdienstes lohnte sich auf jeden Fall; schade nur, dass so wenige Schüler die Möglichkeit genutzt hatten, diesen Gottesdienst zu besuchen.

[Niklas Arend] 
aus: impulse, Schülerzeitung des EKG, 16.9.2005