Das Leben und Sterben im Stalag 326 (VI K)

Besuch in der Dokumentationsstätte Stukenbrock

[eo] Als letztes Thema für dieses Schuljahr haben wir, der Relikurs der 10. Klassen von Herrn Arnhold, uns mit dem Leben der im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Stukenbrock Inhaftierten beschäftigt. So haben wir uns am 24. Juni diesen Jahres in die Senne aufgemacht, um in dem ehemaligen Lager Informationen zu sammeln.

Anfang Mai 1941 wurde auf Befehl deutscher Wehrmachtsoffiziere begonnen, das Lager für sowjetische Kriegsgefangene auf dem Truppenübungsplatz Senne einzurichten. Nach einer für manche tödlichen Zugfahrt in den überfüllten Viehwaggons der Reichsbahn, trafen die ersten 2.000 Gefangenen am 10.07.1941 in dem vorgesehenen Lager ein. Dort fanden sie jedoch lediglich ein mit Stacheldraht umzäuntes Feld vor. Von Unterkünften, sanitären Anlagen oder ausreichender Verpflegung noch keine Spur, denn das Lager 326 musste erst noch mit primitiven Werkzeugen von den Gefangenen aufgebaut werden. Um nicht vollkommen unter freiem Himmel schlafen zu müssen, gruben sich einige Gefangene mit bloßen Händen Erdlöcher. Oft stürzten diese jedoch ein oder wurden von Soldaten zerstört, sodass die Gefangenen darin erstickten. Erst im Spätherbst 1941 war der Bau des Lagers beendet und umfasste ein rechteckiges Feld von ca. 1.000x400m. Als Unterkünfte dienten nun Baracken, die voneinander abgegrenzt waren, damit die Inhaftierten kaum Kontakt zueinander hatten. Die Wachsoldaten bestraften, indem sie mit Peitschen, Stöcken oder Gummischläuchen auf die Gefangenen einprügelten oder von den ringsherum aufgebauten Wachtürmen schossen, auch ohne jeglichen Anlass. Als Nahrung mussten 150 bis 200g Ersatzbrot, Ersatzkaffee und eine Wassersuppe genügen, die aus faulen Kartoffeln, Kohlrüben oder Gras bestand. Die Tagesration betrug 800 bis 850 Kalorien, ein Drittel von dem was ein Mensch eigentlich braucht. Das Stammeslager war als Durchgangslager dafür zuständig, den Regierungsbezirk Minden und das Land Lippe mit Arbeitskräften zu versorgen, die in Stahlwerken, im Ruhrbergbau oder auf Bauernhöfen eingesetzt werden sollten. Deshalb hielten sich nur diejenigen Kriegsgefangene im Lager auf, die in der Umgebung arbeiteten, sowie Lagerhandwerker und Revierkranke. Aufgrund der Unterernährung, Krankheiten und der hohen Sterberate im Winter 1941/42 konnten im Januar 1942 statt 3.333 nur 922 Mann zur Arbeit eingesetzt werden. Deshalb wurde das Lager im September 1942 neu organisiert und zu den russischen Kriegsgefangenen kamen auch Gefangene anderer Nationalitäten hinzu. Was Behandlung und „Freiheiten“ anging, ging es den Polen und Serben als „slawische Untermenschen“ jedoch weitaus schlechter als zum Beispiel den Franzosen und Italienern.

Am 2.04.1945 befreiten US-Truppen endlich das Lager. Die amerikanischen Soldaten fanden dort etwa  10.000 sowjetische Gefangene vor, darunter 1.400 Schwerkranke. Die Toten waren nackt, allenfalls in Papiersäcken in 36, jeweils 112m langen Messengräbern verscharrt worden. Unter ihnen waren ca. 1000 Kinder und Jugendliche. Gleich nach der Befreiung begannen die Überlebenden trotz ihres erbärmlichen Zustandes, eine Gedenkstätte für ihre toten Kameraden einzurichten und ihnen zu Ehren einen Obelisken aufzustellen.

Heute ist das ehemalige Lager die Polizeischule Erich Lauser. Im ehemaligen Arresthaus erinnert eine Dauerausstellung an die damaligen Verhältnisse im Stalag 326. Hier fanden wir eindrucksvolle Bilder, von den Gefangenen damals selbst gebasteltes Spielzeug und Strohkörbchen, bei Ausgrabungen gefundene Erkennungsmarken, Kochgeräte usw. Die Entlausungsanstalt (links) des  damaligen Lagers und einige Baracken sind heute noch vorhanden. Außerdem konnten wir den vom Lager etwas entfernten Friedhof besuchen, auf dem in den 36 Massengräbern und 788 Einzelgrabstätten rund 65.000 Tote liegen. Jedes der 36 Massengräber ist durch einen Stein mit rotem Stern gekennzeichnet und auch der Obelisk ist noch vorhanden. Heute steht der Friedhof unter Denkmalschutz und ist uns Deutschen vor allem als Mahnstätte überlassen.

Esther Ostmeier (Kl. 10b)

Oben links: Kriegsgefangene des Stalag 326
Oben rechts: Häftlingstransporte
Mitte: Barackenlager
Unten links: Sowjetischer Friedhof
Unten rechts: Entlausungsanstalt